Auswirkungen der geopolitischen Lage im Nahen Osten auf Luft- und Seefracht
Auswirkungen der geopolitischen Lage im Nahen Osten auf Luft- und Seefracht bzw. interkontinentale Verkehre
Die derzeitige geopolitische Lage im Nahen und Mittleren Osten führt weiterhin zu spürbaren Auswirkungen auf internationale Transportketten. Insbesondere der Luft- und Seefrachtverkehr ist von Einschränkungen, Umleitungen und kurzfristigen operativen Anpassungen betroffen.
Da sich die Situation teilweise stündlich verändert, sind belastbare Prognosen derzeit nur eingeschränkt möglich. Unsere Teams verfolgen die Entwicklungen kontinuierlich und stehen im engen Austausch mit Airlines, Reedereien und internationalen Partnern, um operative wie monetäre Auswirkungen auf laufende und geplante Transporte möglichst gering zu halten.
In diesem Kontext können Raten und Konditionen durch Reedereien, Airlines, Frachtführer und weiterer an der Transportkette beteiligter Parteien auf Grund der außerordentlichen, nicht direkt beeinflussbaren Gegebenheiten auch kurzfristigen Änderungen unterliegen. Ebenso die Ausführung von unterwegs befindlichen und/oder geplanten Transporten in / über betroffene Regionen, kann kurzfristigen Änderungen durch Reeder, Airlines, etc. mit Risiko und zu Lasten der Ware unterliegen (z.B. Nichtausführung, Unterbrechung oder vorzeitige Beendigung des Transports außerhalb der Endbestimmung).
Nachfolgend finden Sie einen Überblick über die derzeitige Lage in der Luft- und Seefracht.
Aktuelle Situation in der Luftfracht
Die Luftfracht steht derzeit unter erheblichem Druck. Durch Luftraumsperrungen über Teilen des Nahen und Mittleren Ostens sowie Einschränkungen an wichtigen Drehkreuzen in der Region kommt es zu deutlichen Kapazitätsreduzierungen im internationalen Flugverkehr. Diverse Airlines haben Flüge ausgesetzt oder ihre Routen angepasst. Um betroffene Regionen zu umgehen, werden teilweise längere Flugrouten gewählt, wodurch zusätzliche Treibstoffmengen erforderlich sind und die verfügbare Frachtkapazität pro Flug sinkt.
Zudem waren wichtige Umschlagpunkte in der Region zeitweise nur eingeschränkt oder gar nicht in Betrieb. Dies hat zu Flugstreichungen und Verzögerungen geführt, die sich insbesondere auf Verbindungen zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten auswirken.
Ein weiterer Einflussfaktor ergibt sich derzeit durch veränderte Passagierströme. Durch den Ausfall einzelner Fluggesellschaften werden Passagiere verstärkt auf andere Airlines umgebucht. Dies führt aktuell zu einer deutlich höheren Auslastung der Passagierflüge. Da ein großer Teil der Luftfracht im Frachtraum von Passagiermaschinen transportiert wird, steht dadurch insgesamt weniger Kapazität für Fracht zur Verfügung.
Diese Entwicklung wirkt sich derzeit nicht nur auf einzelne Regionen, sondern auf Luftfrachtverbindungen weltweit aus.
Für zeitkritische Lieferketten, etwa in den Bereichen Elektronik, Pharma oder Ersatzteilversorgung, kann dies aktuell zu verlängerten Laufzeiten, reduzierter Verfügbarkeit von Kapazitäten sowie kurzfristigen Anpassungen bei Transportlösungen führen.
Obwohl einzelne Flughäfen ihre Abläufe teilweise wieder aufgenommen haben, bleibt die Situation volatil und eine vollständige Stabilisierung des Luftfrachtverkehrs ist derzeit noch nicht absehbar.
Aktuelle Situation in der Seefracht
Auch im Seefrachtbereich führen die aktuellen geopolitischen Entwicklungen zu spürbaren Veränderungen im internationalen Schiffsverkehr.
Mehrere Reedereien haben Verkehre in direkt betroffene Fahrtgebiete derzeit ausgesetzt oder ihre Dienste entsprechend angepasst. Häfen in bestimmten Regionen werden vorübergehend nicht angelaufen, wodurch es zu Anpassungen der bestehenden Fahrpläne kommt.
Darüber hinaus zeigen sich bereits erste indirekte Auswirkungen auf globale Seefrachtverkehre. Durch Umleitungen von Warenströmen sowie gebundenen oder blockierten Laderaum können sich Kapazitätsengpässe auch auf Fahrtgebieten ergeben, die nicht unmittelbar von den Ereignissen betroffen sind.
Sollte die Situation länger andauern, ist davon auszugehen, dass diese Wechselwirkungen weiter zunehmen. In der Folge können sich Auswirkungen auf verfügbare Transportkapazitäten, Transitzeiten sowie auf das allgemeine Frachtratengefüge ergeben.
Unsere Teams stehen in engem Austausch mit den Reedereien und beobachten die Entwicklungen kontinuierlich. Bei möglichen Auswirkungen auf konkrete Sendungen informieren wir die betroffenen Kunden selbstverständlich individuell und prüfen gemeinsam geeignete Alternativen.
Mögliche Auswirkungen durch Kriegsrisikoversicherung und operative Einschränkungen
Neben den direkten Auswirkungen auf Transportkapazitäten können sich zusätzliche operative Herausforderungen durch Änderungen bei Kriegsrisikoversicherungen ergeben.
Anpassungen in diesem Bereich führen nicht nur zu erhöhten Transportkosten, sondern können auch Einfluss darauf haben, wie Flugzeuge und Schiffe bestimmte Regionen ansteuern oder umgehen. In einigen Fällen werden Verkehrsträger angewiesen, Risikozonen zu umfahren, alternative Routen zu wählen oder vorübergehend in sicherer Entfernung zu warten.
Solche Maßnahmen können dazu führen, dass sich Ankunftszeiten verschieben oder zeitlich bündeln. Treffen mehrere verspätete Schiffe oder Flugzeuge innerhalb kurzer Zeitfenster ein, kann dies zu erhöhtem operativen Druck auf Terminals, Umschlaganlagen sowie nachgelagerte Transportketten führen. Daraus können zusätzliche Verzögerungen oder Kapazitätsengpässe entstehen.
Haftungshinweis
Verkehrshaftungs- und Frachtführerhaftpflichtversicherungen schließen generell Kriegsschäden aus. Die Kriegssituation kann zudem zu höheren Prämien, Kündigungen von Policen und eingeschränktem Angebot führen.
Nach dem Text in Ziffer 12.2 der Allgemeinen Deutsche Spediteurbedingungen (ADSp) 2017 ist angesichts der augenblicklichen Situation ein Leistungshindernis zu konstatieren, denn kriegerische und terroristische Akte zählen als solches dazu.
Bei Leistungshindernissen sind die Vertragsparteien für die Dauer der Störung von ihren Leistungspflichten befreit, der erforderlichen Informationsgabe wir hiermit nachgekommen. „Leistungshindernisse, die nicht im Risikobereich einer Vertragspartei liegen, befreien die Vertragsparteien für die Dauer der Störung und den Umfang ihrer Wirkung von den Leistungspflichten (Ziff. 12.2 ADSp 2017).
Als solche Hindernisse gelten insbesondere Krieg, kriegsähnliche Ereignisse, bewaffnete Konflikte, Terrorakte, staatliche Eingriffe, Beschlagnahmen oder Blockaden von Beförderungswegen. Eine Haftung unsererseits für Schäden, Verluste oder Lieferfristüberschreitungen, die kausal auf diese Ereignisse zurückzuführen sind, ist ausgeschlossen. Etwaige durch diese Ereignisse bedingte Mehrkosten (z. B. für Umleitungen oder Lagerungen) gehen zu Lasten des Auftraggebers. Wir bitten um Kenntnisnahme.
Wir bitten um Ihr Verständnis für diese außergewöhnliche Situation und stehen für Rückfragen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.
Für Rückfragen stehen Ihnen Ihre gewohnten Ansprechpartner jederzeit gerne zur Verfügung.
Ihr Schäfer & SIS Interlogistik® Team


